1. Juli 2016

Zeugnisnoten- Einfach nur Zahlen, oder steckt da mehr dahinter?

Am Ende des Schuljahres kam natürlich der Notentrubel wieder auf. Die Zeugnisnoten sind die einzigen Belege unserer Leistungen, die wir uns nach einem Jahr voller Arbeit mitnehmen können. Aber wie sehr kann man sich auf diese Noten verlassen? Und ist es überhaupt möglich, dass simple Zahlen auf einem Stück Papier unsere ganze Arbeit widerspiegeln? Wie wirken sich diese Zahlen dann auf unser Leben aus?
Zunächst einmal haben die verschiedenen Noten nicht ohne Grund wörtliche Bedeutungen. Wenn man diese Bedeutungen mehr in Betracht ziehen würde, würden die Noten ein anderes Bild bieten; dann würde eine 4 nicht mehr bedeuten, dass man „gerade noch positiv ist-huch“ sondern eine Leistung von ausreichender Qualität erbracht hat. Eine 2 wäre nicht mehr „für die eins nicht genug, das kann man noch besser machen“, sondern eine gute Leistung, an der eigentlich nichts auszusetzen ist. Unsere Noten, in Form von Zahlen, stellen die Leistung oft schlechter dar, als sie eigentlich ist, oder geben sie nicht direkt wieder.

Schüler stehen wegen ihrem Schulalltag oft stark unter Druck, woran die Schulnoten nicht unschuldig sind. Viele SchülerInnen setzten sich selbst das Ziel bestimmte Noten zu erreichen oder haben das Gefühl, dass ein bestimmter Notendurchschnitt von ihnen erwartet wird. Dadurch stehen sie unter dem konstanten Druck, diesen Erwartungen gerecht zu werden und gute Noten zu schreiben. Die Noten spielen für sie eine oftmals zu wichtige Rolle, was diesen einfachen Zahlen die Macht verleiht das Leben der Schüler zu beeinflussen. Selbst diejenigen, „denen es egal ist, was sie für Noten haben“, werden von den Noten gelenkt, weil sie trotz allem das Schuljahr positiv abschließen müssen, um aufsteigen zu dürfen.
Dieser Notendruck führt zu Stress und manche bekommen in besonders intensiven Zeiten das Gefühl nichts mehr unter Kontrolle zu haben. Man muss durchgehend lernen und arbeiten, oft für mehrere Fächer gleichzeitig, um die erwarteten Noten zu erreichen. Sich mit Freunden zu treffen wird dann immer schwieriger möglich und auch der Schlaf muss unter der endlosen Arbeit leiden. Manchmal kommt es auch zu Rivalitäten zwischen Schülern und sie vergleichen ihre Noten untereinander, wollen immer besser sein, als der andere, und sind selbst mit guten Noten nicht richtig zufrieden.

An unserer Schule haben wir jedoch über 120 Lehrer. 120 Individuen, die alle verschieden unterrichten und benoten, auf unterschiedliche Aspekte mehr Wert legen, als auf andere, und natürlich auch nicht gleich streng sind. Dadurch hat ein und dieselbe Note bei unterschiedlichen LehrerInnen nicht denselben Stellenwert, weil nicht jede LehrerIn gleich viel von den SchülerInnen verlangt und es daher nicht überall gleich viel Anstrengung bedarf, um ein und dieselbe Note zu bekommen.
Mit demselben Aufwand könnte man also bei LehrerIn A ein Sehr gut bekommen, bei LehrerIn B vielleicht aber nur ein Befriedigend. Das erschwert den Vergleich der Leistungen zwischen Klassen, da man von den Noten nicht immer direkt auf die Leistungen der Schüler zurück schließen kann. Die Schulnoten sind für viele momentan etwas sehr
Wichtiges, aber wer wird in Zukunft jemals wissen wollen, welche Note man in der dritten Klasse in Musik hatte?Später werden die Noten, die einem jetzt vielleicht so unglaublich wichtig erscheinen, nicht mehr von großer Bedeutung sein und auch die zukünftigen Arbeitgeber interessieren sich nicht wirklich für die Noten, die man irgendwann einmal im Zeugnis hatte. Für sie wäre es aussagekräftiger eine ausformulierte Beurteilung zu bekommen, die ihnen mehr über den Neueinsteiger verrät, als eine Zahl auf einem Stück Papier, die mit viel oder keiner Arbeit verbunden sein kann. Die Noten mit einem solchen schriftlichen Feedback wenigstens zu ergänzen, würde die Leistung der Schüler viel deutlicher und auf mehr Ebenen widerspiegeln und dadurch auch späteren Arbeitgebern nützlich sein.

Ein weiteres Problem, das sich durch die Noten ergibt, ist, dass viele Schüler nicht mehr um des Wissens willen lernen, sondern nur noch für die Noten. Oft wird in der Schule so viel von einem verlangt, dass es nicht immer möglich ist sich in allen Fächern alles zu merken und perfekte Ergebnisse zu erzielen. Das führt dazu, dass man für die Tests und Schularbeiten lernt, danach aber alles wieder rasch vergisst. Die Lehrer verlangen jedoch, dass man das ganze Wissen später immer noch parat hat und verhalten sich manchmal so, als ob es nur ihr eigenes Fach gäbe.
Außerdem bestehen die Lehrer leider oft darauf jedes kleinste Detail zu benoten und die Schüler möglichst viel arbeiten zu lassen, damit sie am Ende des Jahres Belege für die verteilten Noten haben und ihre Entscheidungen
leichter rechtfertigen können. Jede vergessene Hausaufgabe und jedes leise Tratschen im Unterricht kann einem
damit schnell zum Verhängnis werden. Schlussendlich kann man als Schüler das System, so wie es, nicht ändern.

Man kann sich aber selbst bewusst machen, dass eine abstrakte Zahl einen selbst nicht definieren kann und man sie nicht überbewerten darf, auch wenn eine Note einmal nicht so ausfällt wie man es gerne hätte. Man kann sich außerdem nicht hundertprozentig auf die Noten und deren Aussagekraft verlassen und sollte ihnen deshalb nicht zu viel Macht über das eigene Leben geben. Es ist aber auch wichtig, dass sich die Lehrer bemühen ein umfassendes Bild von einzelnen SchülerInnen zu erhalten, damit sich niemand ungerecht behandelt fühlen muss. Ein kurzes Lob kann einen SchülerIn wieder motivieren, selbst wenn es für die bessere Note nicht reicht. Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen: Lasst euch nicht runterziehen, es sind nur Zahlen!


EIN KLEINER AUSZUG AUS DEN ÖSTERREICHISCHEN GESETZESBÜCHERN
§ 14 LBV Beurteilungsstufen

1

Mit „Sehr gut“ sind Leistungen zu beurteilen, mit denen der Schüler die nach Maßgabe des Lehrplanes gestellten Anforderungen in der Erfassung und in der Anwendung des Lehrstoffes sowie in der Durchführung der Aufgaben in weit über das Wesentliche hinausgehendem Ausmaß erfüllt und, wo dies möglich ist, deutliche Eigenständigkeit beziehungsweise die Fähigkeit zur selbständigen Anwendung seines Wissens und Könnens auf für ihn neuartige Aufgaben zeigt.

2

Mit „Gut“ sind Leistungen zu beurteilen, mit denen der Schüler die nach Maßgabe des Lehrplanes gestellten Anforderungen in der Erfassung und in der Anwendung des Lehrstoffes sowie in der Durchführung der Aufgaben in über das Wesentliche hinausgehendem Ausmaß erfüllt und, wo dies möglich ist, merkliche Ansätze zur Eigenständigkeit beziehungsweise bei entsprechender Anleitung die Fähigkeit zur Anwendung seines Wissens und Könnens auf für ihn neuartige Aufgaben zeigt.

3

Mit „Befriedigend“ sind Leistungen zu beurteilen, mit denen der Schüler die nach Maßgabe des Lehrplanes gestellten Anforderungen in der Erfassung und in der Anwendung des Lehrstoffes sowie in der Durchführung der Aufgaben in den wesentlichen Bereichen zur Gänze erfüllt; dabei werden Mängel in der Durchführung durch merkliche Ansätze zur Eigenständigkeit ausgeglichen.

4

Mit „Genügend“ sind Leistungen zu beurteilen, mit denen der Schüler die nach Maßgabe des Lehrplanes gestellten Anforderungen in der Erfassung und in der Anwendung des Lehrstoffes sowie in der Durchführung der Aufgaben in den wesentlichen Bereichen überwiegend erfüllt.

5

Mit „Nicht genügend“ sind Leistungen zu beurteilen, mit denen der Schüler nicht einmal alle Erfordernisse für die Beurteilung mit „Genügend“ (Abs. 5) erfüllt.

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