3. Juli 2015

Über die ungenutzte Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit in einem religiösen oder politischen Kontext ist global gesehen momentan ein heiß diskutiertes Thema. Aber was ist mit der Freiheit seine Meinung in der Schule oder Freunden gegenüber äußern zu dürfen, komplett offen und ehrlich, ohne deswegen gleich einen Stempel aufgedrückt zu bekommen?

Die Redefreiheit, genau genommen die Meinungsäußerungsfreiheit, wurde in der österreichischen Verfassung festgelegt und gewährt somit jedem Individuum die Verbreitung seiner Meinung in Wort und Schrift, natürlich auch uns Jugendlichen. Doch heutzutage – genauso wie auch in früheren Zeiten – nutzen wir diese Freiheit oft zu selten. Wir trauen uns nicht, da man uns ja schief ansehen und unsere Meinung in Frage stellen könnte. Wie sollten wir auf einen polarisierenden Standpunkt reagieren? Sagen, dass wir den Standpunkt des anderen nicht nachvollziehen können und, dass wir denken, derjenige läge falsch? (Kann man denn überhaupt „falsch“ liegen?) Außerdem könnten wir ja noch dazu als vorlaut, besserwisserisch oder gar überheblich gelten. Viel zu kompliziert sich über solch eine Situation Gedanken zu machen, also lassen wir’s lieber.

Wir setzen ein nettes Lächeln auf, stimmen dem Gegenüber zu, ohne jeglichen Einwand. Unbeliebt wollen wir uns ja nicht machen, deshalb sind wir mittlerweile daran gewöhnt und unterdrücken unsere Meinung automatisch, meist ohne mit der Wimper zu zucken. Augenkontakt? Der wird logischerweise vermieden, wir wollen ja nicht die Gefahr auf uns nehmen, aufzufliegen.

Aber was genau bewirkt diese scheinheilige, verstellte Freundlichkeit im positiven Sinne- wenn wir uns doch in Wahrheit unserer ganz anderen Meinung bewusst sind? Verständlicherweise fühlt sich unser Gesprächspartner geschmeichelt, solange er keinen Verdacht schöpft. Jedoch wäre die Aufregung groß wenn derjenige hinter unsere Fassade blicken und erkennen würde, dass wir ihm/ihr ins Gesicht gelogen haben. Leider handelt es sich bei den belogenen Personen sehr oft auch um Freunde. Das zeigt, dass wir sogar den Menschen, die uns am allerwenigsten dafür verurteilen sollten unsere wahre Meinung bei vielen Gelegenheiten vorenthalten.

Ist es aber eigentlich nicht genau das, was eine gute Konversation ausmacht? Ehrlichkeit? Schon klar, dass man sich in etwaigen Lebenssituationen – etwa im Berufsleben – lieber seinen Teil denken und (pardon) den Mund halten sollte, und dasselbe gilt für manche Situationen in der Schule. Daher wäre es umso wichtiger in den restlichen Situationen des Lebens schlicht und einfach die eigene Meinung kundzutun und dazu zu stehen ohne sich für irgendetwas zu schämen.

Denn glaubt mir, es ist ein befreiendes Gefühl einfach ehrlich seine Meinung zu äußern – und tut auch gar nicht weh!

Meinungsfreiheit?

2 Comments on “Über die ungenutzte Meinungsfreiheit

Marcus
5. Juli 2015 um 14:22

Hallo Julia,

ich bin mir nicht sicher, ob Du mit „Meinungsfreiheit“ und „Konversation“ nicht zwei verschiedene Begriffe in einen Topf wirfst. Meinungsfreiheit hat einen fixen Absender, aber keinen definierten Empfänger. Dementsprechend muss man auch weniger Rücksicht auf ein Gegenüber nehmen. Vielleicht ist hier Ehrlichkeit ein wichtiger Begriff (obwohl ich mir nicht mal da sicher bin). Meinung hat ja weniger mit Wahrheit als eher mit – eben, Meinung zu tun.

In einer Konversation, finde ich, hat Ehrlichkeit sowieso keinen hohen Stellenwert. Wichtiger finde ich hier Respekt gegenüber dem Anderen (was Ehrlichkeit auch ausschließen kann). Oder, wenn ich von meinem Gegenüber etwas bestimmtes erreichen und nicht nur vor mich hinplaudern möchte, dann wäre Diplomatie immer noch wichtiger als kompromisslose Wahrheit.

Nimm zum Beispiel dieses Post: Wenn’s mir nur um Ehrlichkeit (oder richtiger: meine ehrliche Meinung) gegangen wäre, hätten vier Worte auch gereicht.

Ich freue mich auf Dein Feedback! Ehrlich! :-)

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Julia
6. Juli 2015 um 10:10

Lieber Marcus,

Vielen Dank für dein äußerst berechtigtes Feedback, es freut mich dass du dir so viele Gedanken über meinen Artikel gemacht hast.

Deiner Gegenüberstellung der Meinungsfreiheit und einer Konversation stimme ich komplett zu. Jedoch denke ich, dass eine Konversation oft verschiedene Meinungen beinhaltet. Deshalb wollte ich mich in meinem Artikel auf uns Schüler im Gymnasium spezifisch beziehen. Aber generell, im alltäglichen Leben, muss ich dir leider recht geben, dass Respekt und Diplomatie oft einen größeren Stellenwert in einer Konversation finden als Ehrlichkeit. Wobei ich ergänzen muss, dass ich diese Tatsache meist bedauere, da ich ein sehr meinungsoffener und ehrlicher Mensch bin und ich mich dadurch schon des Öfteren über Leute, die diese Ehrlichkeit eben gar nicht ernst nehmen, geärgert und mich in ihnen getäuscht habe.

Dennoch wollte ich durch den Artikel keine diplomatischen Gespräche zu purer Ehrlichkeit und Offenheit ermutigen, sondern meine Mitschüler zum Nachdenken bringen, ob die Wahrheit nicht ein bisschen öfters zum Vorschein kommen könnte (vorerst mal in „harmlosen“ Konversationen, in denen sie ihre Meinung äußern könnten). Ich traue mich zu behaupten, dass es heutzutage, vor allem auf uns Jugendliche bezogen, wichtig ist sich überhaupt eine Meinung zu bilden. Viele Leute haben nämlich nicht einmal eine eigene, aber ich bin froh, dass du eine überzeugte hast und sie mit uns teilst!

Bezüglich deiner Anmerkung zu dem Post möchte ich nur noch kurz hinzufügen: Eine Meinung einfach so plump darzulegen würde eher wieder abneigend wirken, als sie einfach zu begründen und erklären.

Bin schon gespannt auf deine Antwort! :)

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