11. Mai 2015

In da Schul keat afoch fü mehr gschmust

“Schmusen in der Öffentlichkeit – muss das sein?“ Gerade in letzter Zeit, nach den Vorfällen im Café Prückel ist die Debatte um diese Frage in Österreich wieder besonders aufgeheizt. Es ist noch immer nicht ganz geklärt, ob Anastasia Lopez und Eva Prewein aufgrund ihrer sexueller Orientierung des traditionellen Cafés verwiesen wurden – oder vielleicht doch, weil die beiden jungen Frauen die Geduld von Herrn und Frau Österreicher mit ihren heftigen Liebesbekundungen ein bisschen überstrapaziert hatten. Doch nicht nur in Gast- und Kaffeehäusern ist dieses Thema ein vieldiskutiertes, sondern auch an dem Ort, an dem wir momentan unsere meiste Zeit verbringen: in der Schule.

Was vor vielleicht 50 Jahren noch ein totales No-Go gewesen wäre, ist jetzt schon fast normal. 11:40 Uhr. Zehnerpause. Am Gang. Zwei Menschen, eng ineinander verschlungen, und mit strahlenden Augen, haben sich offensichtlich gerade gern. Schmatz. Sehr, sehr gern. Knutsch. Ein Bild, das uns nicht unbekannt ist, weder von Oberstuflern, mittlerweile aber auch nicht mehr von jüngeren „Pärchen“

(= zweiwöchige Beziehungen alias „die große Liebe“). Viele denken sich bei so etwas: „Bäh. Muss das sein, können die das nicht woanders machen?“ Ich muss ganz ehrlich sagen, manchmal wird mir auch ein bisschen unwohl, wenn ich in einem scheinbaren leeren Gang ein Paar dabei überrasche, wie es sich gerade gegenseitig – pardon – abschlabbert.

Aber ganz ehrlich: Egal, welche Gefühle so ein Anblick bei uns hervorruft – sei es Ekel, sei es Belustigung, sei es Neid – Schülerinnen und Schüler sind jung, probieren sich gerade aus und haben meiner Meinung nach auch ein Recht auf öffentliche Liebesbekundungen. So wie jeder andere Mensch es auch haben sollte. Klarerweise wäre es unpassend, würden diese Zärtlichkeiten dann an Petting grenzen, da sind wir uns wohl alle einig. Aber solange sich das Ganze nicht im Unterricht und in einem Rahmen abspielt, wo man gegebenenfalls noch einfach wegschauen könnte – wieso ihnen nicht die Freude lassen?

Was mich in diesem Kontext fast noch mehr beschäftigt ist die Tatsache, dass Kuscheleien und Bussis unter Mädchen seit jeher akzeptiert wurden, dass das Gleiche aber bei Burschen immer noch irgendwie verpönt ist. Warum bitte ist das noch immer so? In einer Zeit, in der die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren glücklicherweise immer mehr zunimmt, sollte es doch auch für jungeMänner völlig okay sein, ihre (oft nicht einmal romantische) Zuneigung zueinander so zu zeigen, wie sie das gerade wollen. Innige Umarmungen, auf dem Schoß sitzen und Bussis – das sollen nur wir Mädchen dürfen? So ein Blödsinn. Aber, wer weiß, wenn wir alle in nächster Zeit genug „Vorstadtweiber“ schauen, verändert sich ja vielleicht unser Bewusstsein von Grund auf. Es bleibt zu hoffen…

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